Zwiespalt zwischen Breiten- und Spitzensport

JUBILÄUM: Die Leichtathleten-Vereinigung Bad Godesberg feiert ihr 50-jähriges Bestehen.

Von Gerhard Mertens

BONN. Einer der traditionsreichsten Bonner Leichtathletik-Vereine besteht seit 50 Jahren: die Leichtathleten-Vereinigung (LA V) Bad Godesberg. Der Klub, der am 1. Januar 1952 gegründet wurde, feiert sein Jubiläum heute Abend in der Stadthalle Bad Godesberg. Die zeitliche Verzögerung der Feierlichkeiten resultiert daraus, dass die LAV Ende der 60-er Jahre für rund ein Jahr aufgelöst war.

Anfang 1952 sah eine Gruppe von Leichtathleten um den späteren 1. Vorsitzenden Franz Baur und Joachim Wildt die Voraussetzungen für die Gründung eines Vereins als günstig an, da sich die Leichtathletik-Abteilung des Bonner FV aufzulösen begann. Dennoch war es eine schwierige Zeit. Noch waren die Folgen des zweiten Weltkrieges in Bad Godesberg unübersehbar. So mangelte: es auch an geeigneten Übungsstätten.

Treffpunkt der LAV war die Lackfabrik Debus & Meurer. Mit viel Idealismus wurden in den folgenden Jahren die organisatorischen Voraussetzungen verbessert und schon die ersten beachtenswerten sportlichen Leistungen erbracht

Bereits sieben Jahre nach der Gründung nahmen LAV-Aktive 1959 an 56 Wettbewerben teil und erreichten dabei 196 erste und 167 zweite Plätze. Der plötzliche Tod des 35-jährigen Franz Baur war für den Klub im März 1960 ein nachhaltig wirkender Schock. Unter Raymund Minn, Baurs Nachfolger aIsVorsitzender, kehrte dann wieder Normalität ein.

Die Vereinschronik berichtet 1962 von der dreifachen Mittelrhein-Jugendmeisterin Martina Sohr und von den Erfolgen der Zehnkämpfer Eberhard Kraft, Peter Schneider und Hans-Joachim Lobinger. Letztgenannter und Martina Sohr wurden später ein Paar .Sohn Tim Lobinger ist inzwischen einer der weltbesten Stabhochspringer .

"Hajo" Lobinger kann als Sportwart 1965 ein "einzigartiges Sportjahr" für den LAV verkünden. Im Kreis Bonn stand der Verein damals auf Platz 1; am Mittelrhein war er neben Bayer 04 Leverkusen und dem ASV Köln mit führend. Die Erfolge führten zwangsläufig zu der Frage, ob sich die LAV vornehmlich um den Breitensport oder den Spitzensport kümmern sollte. Ein Vertreter des Spitzensports war Lobinger. Der zweite Vorsitzende Heinz Thies machte aber damals klar, der Vorstand sähe die Hauptaufgabe des Vereins im Bereich Breitensport und Jugendarbeit. Lobinger legte in der Folge sein Amt als Sportwart nieder und trat aus dem Verein aus, wie einige weitere Mitglieder auch.

Einher mit dieser Unruhe gingen die Diskussionen um die Bildung eines Großvereins. Zunächst waren die Widerstände zu groß, aber 1969 bahnte sich die Fusion verschiedener Vereine zum Leichtathletik-Club (LC) Bonn mit dem Zentrum der sportlichen Aktivitäten im Sportpark Nord an. Die LAV Bad Godesberg wurde aufgelöst.

Es dauerte nicht lange, da wurde dieser Schritt von einigen bereut. Der Weg in den Sportpark Nord war für viele Jugendliche und Aktive zu weit. Darüber hinaus hatte LAV-Mitglied Theo Blank, selbst ein guter Sprinter und Befürworter der Fusion, in Aussicht gestellt, dass in Bad Godesberg an vertrauten Orten Übungsabende stattfinden sollten. Doch diese Abende wurden vernachlässigt. Die Godesberger Leichtathleten sahen sich ins Abseits gedrängt. Und nur ein Jahr später wurde der Klub neu gegründet und fand im Sportpark Pennenfeld hervorragende organisatorische Voraussetzungen.

In seiner Geschichte hat die LAV eine ganze Reihe von westdeutschen Meistern, Nordrheinmeistern und Nationalkader-Athleten hervorgebracht. Ein Höhepunkt war 1975 der Gewinn der deutschen Meisterschaft über 4 x 400 Meter durch die Jugend-A-Staffel. Ein "Kind" des LAV brachte es auch zum Europameister, Hannes Schmitt, der Anfang der 60-er Jahre zum ASV Köln wechselte, gehörte der siegreichen 4 x 400-Meter-Staffel an. Schmitt kehrte später zur LAV zurück und war auch für einige Zeit Vorsitzender. Als Schüler am Beethoven-Gymnasium war er ein . Schützling von Heinz Feuerborn, der 1975 dem Verein beitrat und als Pensionär noch heute leitender Trainer beim LAV ist. Eines seiner größten aktuellen Talente ist Darius Akrami. Der16-Jährige wurde bei den Deutschen Jugendmeisterschaften über 400 Meter in 50,06 Sekunden Fünfter im B-Lauf.

Wenn man vom LAV spricht, muss man auch Peter Köhn erwähnen. Er begann erst im Alter von 40 Jahren mit dem Laufen und wurde ein herausragender Langstreckler. So stellte er 1993 in der Altersklasse M 60 über 100 km in 8:03:52 Stunden einen bis heute gültigen Weltrekord auf.

Der LA V ist heute 235 Mitglieder stark, von denen der Großteil Jugendliche sind. Der Klub verfügt neben der Leichtathletik über eine Gymnastik- und eine Basketball- Abteilung. Die Veranstaltungen des LA V, wie der Frühjahrs- und Herbstlauf, erfreuen sich großer Beliebtheit. Vorsitzender des Vereins ist heute Dietrich Pernsch.