LAV BAD GODESBERG : AUF DER SUCHE NACH TALENTEN
Von Holger Teusch

BAD GODESBERG.  800.000 Flüchtlinge allein in diesem Jahr in Deutschland. Spätestens diese Schätzung von Innenminister Thomas de Maizière hat wachgerüttelt. Dass die Menschen, die zu uns kommen, integriert werden müssen und die Zuwanderung auch Chancen böte, sieht man in vielen Sportvereinen schon seit länger Zeit so. Peter Udelhoven, Sportwart der Leichtathletenvereinigung (LAV) Bad Godesberg, wirbt um Migranten. Beispielsweise an der Johannes-Rau-Schule, an der es für Schüler mit Deutsch-Defiziten spezielle Förderklassen gibt. Vor knapp einem Jahr ging Udelhoven in den Sportunterricht und lud zum Vereinstraining ein.

„Es sind viele gekommen, aber nur wenige geblieben“, zieht Udelhoven erste Bilanz. Es sei schwierig, den Kontakt längerfristig zu halten, denn die Einstellung zum Sport sei eine besondere. „Das Ehrgefühl bei Migranten muss im Sportbetrieb Beachtung finden. Gewinnen wollen alle, verlieren keiner“, nennt Udelhoven ein Beispiel. Die Übungsleiter seien mitunter nicht nur als Trainer, sondern auch bei Alltagsfragen, wie beispielsweise bei der Wohnungs- oder Arbeitssuche, gefragt.

Zurzeit kommen Jugendliche aus dem Iran, aus Kasachstan, Marokko, Litauen und Georgien zum LAV-Training. Ein talentierter Jugendlicher aus Polen ist im vergangenen Jahr zum „Aufsteiger des Jahres“ gewählt worden. „Wir fördern natürlich auch Talente“, sagt Udelhoven, der selbst Senioren-Europameister über 400 Meter Hürden war und dessen Tochter Tilia vor vier Jahren den vierten Platz im Siebenkampf der U 20-EM belegte.

Der 70-Jährige betont aber immer die soziale Verantwortung des Sports. Deshalb sei es auch wichtig, nicht nur gemeinsam mit Migranten Sport zu treiben, sondern sie auch in die Vereinsführung einzubinden: „Wir haben zwei Afghanen im Vorstand und einen marokkanischen Trainer.“

Aktuell plant der LAV vor dem Hintergrund des starken Flüchtlingszustroms einen Wettkampf ausschließlich für Migranten. Termin ist Samstag, 19. September, von 10 bis 14 Uhr im Sportpark Pennenfeld. Es soll eine Art Willkommens-Sportfest mit 100-Meter-Sprint, 800-Meter-Lauf und Weitsprung werden. LAV-Mitglieder, aber auch engagierte Bürger sollen die Betreuung übernehmen. Udelhoven erwartet eine Teilnehmerzahl von 200 aufwärts. „Das wird eine große organisatorische Herausforderung.“ Man dürfe nicht erwarten, dass sich die Flüchtlinge – wie sonst gewohnt – vorher anmelden. „Sie sollen einfach kommen“, sagt Udelhoven. Angesichts der Hilfsbereitschaft im LAV, aber auch darüber hinaus ist er zuversichtlich: „Wir haben positive Rückmeldungen aus allen Bevölkerungsschichten. Auch auf unseren Spendenaufruf, abgelegte Sportkleidung und -schuhe, die noch gut in Schuss sind, zur Verfügung zu stellen.“ Man hofft, dass auch Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch kommt. „Für die Flüchtlinge ist es wichtig, dass der König kommt“, sagt Udelhoven und schmunzelt.

Artikel vom 07.09.2015